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Badische Zeitung

Mitch Ryder: Detroit lebt noch

Der Soulrock-Sänger Mitch Ryder kommt mit neuem Album ins Freiburger Jazzhaus

Mitch Ryder kommt ins Freiburger Jazzhaus: "Detroit R&B-Attack", wie es ein Fan nach seinem 2008er Konzert am selben Ort nannte, steht an. Trotz vieler Alben Ė der Mann aus Detroit ist primär Live-Performer. 
Alan Bangs sagte das schon vor 31 Jahren: "Meiner Meinung nach war sein Auftritt in jener Nacht eine der besten Vorstellungen, die ich je erlebt habe", vermerkte der damalige TV-Moderator zu Mitch Ryders Auftritt vor einem breitem europäischen (TV-)Publikum. Die intensive Vorstellung im "Rockpalast" vom Oktober 1979, gezeichnet aber auch durch Spannungen zwischen dem Sänger und seiner Band, begründete den bis heute nachwirkenden Ruhm des Sängers in unseren Regionen.

Dabei hatte das musikalische Engagement des Sohnes eines Big-Band- Sängers schon wesentlich früher begonnen. Bereits im Alter von 17 Jahren nahm er die Single "Thatís What Itís Going To Be / Fool For You" auf, agierte als Frontmann des Vokaltrios Peps und gründete seine eigene Band Billy Lee & The Rivieras. Die machte 1965 in New York der Produzent Bob Crewe zu Mitch Ryder & The Detroit Wheels. Heute noch zelebrierte Hits wie "Jenny Take a Ride", "Devil With a Blue Dress On" und das von vielen Radiostationen verbannte "Sock It To Me, Baby" stammen aus diesen frühen Tagen der Beat-Ära.

Ein Album mit Booker T & the MGs plus Memphis Horns aber verfehlte 1969 die erhoffte Wirkung. Auch als Ryder mit einer Supergroup aus der Motorcity Ė "Detroit Ė Featuring Mitch Ryder" Ė den Rolling-Stones-Klassiker "Gimme Shelter" bearbeitete, blieb der Erfolg aus. Das veranlasste den Sänger im Alter von 28 Jahren zum Rückzug. Fünf Jahre entfloh er dem Musikbusiness nach Denver, Colorado.

Ein solches Urgestein des Rock aber hält es nicht lange ohne Musik aus. So folgte seinem 1978er Comeback-Album "How I Spent My Vacation" bald "Naked, But Not Dead", das mit "Ainít Nobody White (Can Sing The Blues)" einen Ryder-Klassiker präsentierte. Der wurde eben in jener legendären "Rockpalast"-Performance zum Höhepunkt, zusammen mit Ryders Version des Doors-Epos "Soul Kitchen".

Musikalisch pflegte Ryder immer gern die Mischung von Rock íní Roll, dynamischer Ballade und Detroiter Motown Soul. So nennt sich seine neue CD nun "Detroit Ainít Dead Yet (The Promise)". Von Starproduzent Don Was (Rolling Stones, Bob Dylan etc.) betreut, klingt das Album spannend, gefällig. Eine amerikanische Begleitband knüpft locker, aber genau den fliegenden Teppich, auf dem der Storyteller kleine Fabeln präsentiert.

Mitch Ryder bemüht sich seit Jahren um gehaltvolle Texte in seinen Kompositionen, spannt den Bogen von politischer bis zu intimer Thematik. Das Gros seines Publikums aber erfreut sich nach wie vor lieber an seiner intensiven musikalischen Präsentation als an Lebensweisheiten in seinen Songs. Der vibrierende Klang seiner wohldosiert eingesetzten Shouter-Stimme wirkt auch eindringlicher als nette Texte über die Veränderung der Welt.

Das neue Album des erfahrenen Performers Ė er wurde am 26. Februar 65 Ė ist eines seiner besten der letzten Jahrzehnte. Treibenden Rock und das Spiel mit der Dynamik beherrscht der bühnenerprobte Amerikaner immer noch. Das lässt auch mit seiner langjährigen deutschen Tour-Band Engerling eine ausgezeichnete Vorstellung im Jazzhaus erwarten.

Ė CD: Mitch Ryder, Detroit Ainít Dead Yet (The Promise) (Floating World Records / Soulfood Music).

Termin: Freiburg, Mitch Ryder, Jazzhaus,
Do, 11. März, 20 Uhr; Info: BZ-Kartenservice
URL: http://www.badische-zeitung.de/mitch-ryder-detroit-lebt-noch

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