Der Teckbote – Kirchheimer Zeitung, 14.03.2011

Sänger aus Leidenschaft

von Brigitte Gerstenberger

Kirchheim. Nicht nur Hut und Sonnenbrille sind schwarz, sondern vor allem seine Stimme ist tiefer schwarzer Blues. „Die Stimme Detroits“ - Mitch Ryder - gastierte mit seiner deutschen Begleitband „Engerling“ zum ersten Mal in der Bastion. Inspiriert von der schwarzen Musik der 60er-Jahre aus dem amerikanischen Süden verzückte Ryder nun am Samstagabend eine bluesnärrische Fangemeinde, die dem Rhythm & Blues nach Herzenslust im proppenvollen Gewölbekeller huldigte. Ryders gesangliche Vorbilder waren Little Richard, James Brown und durch die Tamla-Motown Record Company in Detroit, seiner Heimatstadt, lernte er als Jungspund die R&B und Soul-Schallplatten seiner schwarzen Heroes lieben.
Deutschland ist ein gutes Pflaster für geniale Rock ‘n‘ Roller aus der zweiten und dritten Reihe des Rockzirkus. Denn den ganz großen Durchbruch erlebte Ryder nicht. Zwar war er mit seiner Band „Detroit Wheels“ in den 60er-Jahren in Amerika zuweilen ein gefeierter Star, doch dann ereilte ihn wie viele Kollegen das übliche Desaster in einem knallharten, zuweilen von mafiösen Strukturen verseuchten Rock-Business. Ärger mit dem Management und der Plattenfirma, Desillusionierung und Rückzug waren die Folgen.
Das europäische und deutsche Publikum kennt Mitch Ryder durch seinen legendären „Full Moon“-Auftritt in der fünften WDR-Rockpalast-Nacht in der Grugahalle Essen 1979. Offensichtlich unter Drogeneinfluss legte er sich damals im Live-Interview mit dem Moderator Alan Bangs und dem Publikum an. Dennoch schrieb Alan Bangs über Ryders Auftritt: „Eine der besten Vorstellungen, die ich je erlebt habe .?.?. Momente, in denen sich der ganze Mikrokosmos in seiner Größe widerspiegelte.“
Gut dreißig Jahre später stand ein gelassener Mitch Ryder auf der Bastionsbühne. Mit verhaltenen Hand- und Körperbewegungen schüttelt er lässig den Schellenkranz und kultiviert eben dies, was er immer noch gnadenlos gut kann: Singen aus Leidenschaft. Verkörpert er doch das unangepasste Leben eines Rock ‘n‘ Rollers mit seinen Klischees und Schattenseiten. Kompromisslos ist seine Musik, mit Vocal-Power schreit er sich die Seele aus dem Leib wie weiland Ian Gillan bei „Child in Time“ von Deep Purple. Mit purer Lust am Rock und Blues groovte sich die Berliner Band „Engerling“ in die Gehörgänge des Publikums. Die Band um den einfallsreichen Organisten „Boddi“ Bodag funkt, rifft und rockt mit einem kräftig vorwärtstreibenden Schlagzeuger Hannes Schulze. Verzerrt, lickend, mit und ohne Bottleneck schieben sich die Gitarren Heiner Wittes und Gisbert „Pitti“ Piatkowskis dazwischen, grundsolide der Mann am Bass Manne Pokrandt. Die Musiker stärken Mitch Ryder seit 2002 bei der alljährlichen Tour von Januar bis März den Rücken. Zwischendurch erzählt Mitch Ryder amüsiert von seinem Leben als „Rockstar“ und wie ihn Jimi Hendrix in einem New Yorker Club gefragt hatte, ob er in seiner Band singen wolle. Und mit einer exquisit gesungenen Version von „All Along The Watchtower“ und „The Wind Cries Mary“ ging ein leidenschaftliches Rockkonzert in die Endrunde.

Quelle: http://www.teckbote.de/nachrichten/lokalnews_artikel,-Saenger-aus-Leidenschaft-_arid,66316.html

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