Märkische Allgemeine, 23.02.2010

Mitch Ryder, Rocker aus Detroit, und Engerling, Kult aus der ehemaligen Ostbluesszene, 
gemeinsam in der Kulturscheune.

Die Stimme trotz Erkältung nicht geschont

Mitch Ryder, Rocker aus Detroit, tourt mit seiner Begleitband Engerling derzeit durch Deutschland und Österreich. Dass auf dieser, seiner 13. Europatournee, am Sonntag auch Thyrow auf dem Programm stand, dankten ihm die Fans. Der Altmeister, der trotz einer Erkältung seine Stimme in der Kulturscheune nicht schonte, pflegt seit dem legendären TV-Auftritt im ARD-Rockpalast vor mehr als 30 Jahren eine innige Beziehung zu Deutschland. Seine Musik unterscheidet sich deutlich von dem, was amerikanische Fans wünschen. Neben typischen Rocksongs sind es auch die emotionalen Balladen, die Anleihen beim Reggae, die hier beim Publikum gut ankommen. So schwärmte der Ludwigsfelder Musiker Andrási Nándor-Mátyás: „Das ist Stoff, aus dem die Träume sind.“ Und auch die Groß Schulzendorferin Birgit Schulze favorisierte die ruhigen Lieder. In Erinnerung an die aus DDR-Zeiten bekannte „Engerling Blues Band“, die sich weder durch Kulturfunktionäre noch durch den Kommerz von ihrem musikalischen Weg abbringen ließ, sagte sie: „Ich habe zwar damit gerechnet, dass die Jungs nicht ihre Musik spielen, aber dass es so rockig wird, habe ich nicht erwartet.“
Peter Happe aus Zossen hatte den Detroiter Künstler bereits im Rockpalast erlebt und fand ihn gerade im Zusammenspiel mit der Band Engerling ganz ausgezeichnet. Auch die extreme Lautstärke des Konzertes störte ihn nicht. Zwei elektrische Gitarren auf der Bühne besorgten den Drive und Engerling-Manager Gert Leiser argumentierte, man habe so laut spielen müssen, um im hinteren Teil der Kulturscheune gehört zu werden. „Kommen Sie am 9. März nach Berlin in den Franz-Klub, da sind Raum und Anlage aufeinander abgestimmt.“
Die Fans jedenfalls schwelgten in den unglaublich stillvollen, mitreißenden Songs. Ob bei „Ain’t Nobody White Can Sing The Blues“, ein Lied über eine zerbrochene Beziehung oder „True Love“, dass bei ihm wie eine Drohung klingt, der Sänger stand in seinem schwarzen schlichten Outfit scheinbar ganz in Klängen und Gedanken versunken auf der Bühne, um im nächsten Moment zu explodieren. Ein Energiebündel, dessen Stimme von zarter Melancholie bis zum exzentrischen Schrei mühelos alles beherrscht. Sein Gastspiel in der Thyrower Kulturscheune war das fünfte von insgesamt 26 Konzerten. In fünf Wochen wird der Mann wieder in seiner Heimatstadt in den USA sein. (Von Gudrun Ott)

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