Konzertreview: Harmonie, Bonn, 29. Januar 2003
von Rainer Peschen


Setlist incl.:
Ain´t Nobody White, Wicked Messenger, Freezin´ In Hell, War, If The Shoe, Subterrenean Homesick Blues, Terrorist, Red Scar Eyes, Heart Of Stone, Gimme Shelter, True Love, Soul Kitchen.

„Memories“ (geschrieben am 19.02.07)

Wir hatten uns in den letzten Jahren ein wenig aus den Augen verloren - Mitch und ich. Jahrelang kam mir immer etwas dazwischen wenn gerade eine Tour lief, es war wirklich wie verhext. Terminprobleme, privater oder beruflicher Stress oder alles auf einmal. Ja, seine Musik begleitete meinen Lebensweg weiterhin, aber Konzertbesuche - leider Fehlanzeige!
Am 29. Januar 2003 war dann doch alles ganz anders, mal keine Termine und der Arbeitgeber friedlicher, nun hielt mich aber nichts mehr. Ab nach Bonn!

Die „Harmonie“ gehört zu meinen Lieblings-Konzertlocations in NRW. Eine wirklich tolle Halle die ca. 500 Besucher fassen kann. Gemütlich ist es hier. Man kann vor dem Konzert eine Kleinigkeit im anliegenden Restaurant essen, lecker Bier trinken und richtig abschalten. Gleich an der Gastronomie angeschlossen befindet sich die eigentliche Location mit moderner Sound- und Lichtanlage. Ein gut durchdachtes Konzept. Viele Rockgrößen haben hier schon gespielt, Mitch Ryder schon einige Male, Bonn ist somit eine seiner Hochburgen in Deutschland.

Noch eine dreiviertel Stunde vor Konzertbeginn war allerdings nur wenig Publikum anwesend. Die Eroberung eines „Front Of Stage“-Platzes scheint bei den Gigs von Mitch Ryder im neuen Jahrtausend kein Problem zu sein. Zum Glück füllte sich die Harmonie ca. 10 Minuten bevor es losging doch noch. Ich schätze mal rund 200 Fans waren anwesend.

Das Konzert begann pünktlich und als Mitch Ryder plötzlich zum greifen nah vor mir stand , sein „Ain´t Nobody White“ zelebrierte, merkte ich sofort, was ich jahrelang vermisst und verpasst habe. Mir fiel gleich auf: Äußerlich hat er sich sehr verändert. Er wirkte bedeutend kräftiger als noch vor ein paar Jahren, die Kleidung leger, der Hut und die dunkle Brille schon obligatorisch. Er machte körperlich allerdings nicht den besten Eindruck auf mich, ja, er wirkte sehr erschöpft und sein Gang schwankte des öfteren leicht, doch, er kämpfte sichtlich. Vermutlich hatte er Schmerzen, ich kann es aber nicht mit Gewissheit sagen. Er ließ sich bei seinem Gesang allerdings nicht beirren, scheinbar kein Leid kann dieser fabelhaften Voice etwas anhaben. Das Programm bestand zu einem großen Teil aus seinen Klassikern. Eine Perle wird mir dabei unvergesslich bleiben, „If The Shoe“, bislang leider unveröffentlicht, ist bezüglich Text und Musik so etwas, was ich als einen „Übersong“ bezeichnen würde. Ja, auch das Publikum war sofort nach den ersten Takten von diesem Titel begeistert, nur eine männliche Person im Raume nicht, vermutlich ein Amerikaner. Dieser stürmte, nachdem die letzten Takte verklungen waren, in Richtung Bühne, stellte sich frontal vor Mitch Ryder hin und schrie so etwas wie: „Du hast jetzt schon drei Songs hintereinander gespielt, die Amerika negativ darstellen, wann werden die positiven Seiten erwähnt?“ Mitch konterte sofort (leider konnte ich nicht alle seine Worte verstehen): „Wenn Dir das Konzert nicht gefällt, kannst Du gerne die Location verlassen und bekommst Dein Geld zurück!“ Sofort schritt der Störer mit gesenktem Kopf und ohne ein weiters Wort zu verlieren in Richtung Ausgang. Punkt, Finish und erledigt!

Die muskalischen Qualitäten von Engerling im Verbund mit Robert Gillespie überzeugten mich vollends. Ein Unterschied zu dem Dreamteam der späten siebziger und den den frühen achziger Jahren um Schein, Gutc, Owens und Gougeon war kaum auszumachen. Beeindruckend, ja genial, wie diese deutsche Band das musikalische Erbe von Ryder veredelt.
Mein persönliches Highlight dieses Abends: „Soul Kitchen“, wie beinahe immer zum Schluß der Show. Ich erhob kurz vor Songende meine Hand, Mitch ging auf mich zu, ergriff diese und lächelte, für einen Moment war ich wie erstarrt, ja geplättet, damit hatte ich nicht gerechnet.

Ein schöner Abend ging für mich mit der Gewissheit zu Ende, dass ich von nun an wirklich keine Tournee der „Vulcano-Voice“ mehr verpassen werde, komme was wolle. „Welcome Back!“

Ticket (alternativ)
- mit Dank an Jutta und Ralph -

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