Objekt 5, Halle / Saale, 18.02.2010

Review, Ticket und Autogramme mit Dank an Burkhardt


In weiser Voraussicht und im Wissen darum, dass das Mitch Ryder-Konzert ausverkauft war, machte ich mich beizeiten per Tram auf den Weg ins "Objekt 5".
Obwohl dort die Tür zum "Allerheiligsten" leicht angelehnt war und ich als Stammgast durchaus hineinschlüpfen konnte, hoppelte ich vorerst treppauf in den Restaurantbereich, um mir zur Einstimmung auf den Abend ein Bierchen zu gönnen, Tickets für kommende Veranstaltungen zu kaufen und mit dem mir bestens bekannten Personal zu plaudern.
... aber kaum dort angekommen war ich schon wieder mitten im Spektakel drin; am Tresen lümmelten bereits mir gut bekannte Leutchen herum einen besseren Einstieg in den Abend hätte es gar nicht geben können.
Um bloß nichts zu verpassen und die Plätze vor der Bühne zu ergattern machten wir uns alsbald in Richtung des urigen Minisaals auf. Kaum dort angekommen, kreuzten auch schon weitere wohlbekannte Larven um uns auf und die Stimmung begann schon vor dem Konzert auf Touren zu kommen.
Nach einer Weile des Wartens tauchte Mathias (Einlasser, Kartenkontrolleur, Kartenverkäufer, Macher und prima Typ im "Objekt 5") auf, um uns Wilde auf den Gig des Abends loszulassen. Obwohl man mir in der Lokalität vertraut, zückte ich während des Handschlags mit genanntem Herrn kurz mein Ticket zur Kontrolle und schnipste umgehend zu "meinem" Stammtisch am rechten Bühnenrand unweit der Theke. Dort angekommen pflanzte ich mich auf einen Barhocker, streckte meine Beine auf der kurzen Treppe zur Bühne aus und hatte somit wieder mal meinen Claim abgesteckt nun konnte der Abend so richtig beginnen.
... und wie der losging; jede Menge mir bestens bekannte Rockverrückte versammelten sich um mich und auch sonst gab es reichlich Begrüßungsgesten in alle Richtungen des hereinströmenden Publikums. Es trudelten auch wieder Leute ein, die mich auf's Freundlichste begrüßten, ohne dass ich mich erinnern konnte, anlässlich welcher Konzerte ich ihnen begegnete. So ist das eben, wenn man bekannt ist wie ein bunter Hund. Ich bin halt schon eine quirlige Erscheinung mit meinen bescheidenen 161 cm Körperhöhe, meinen Schlangenlederstiefeln, meiner Jeansmontur (deren Jacke mit vielen Pins versehen ist) sowie meinen diversen Rock-Shirts & Base-Kappen.
Nachdem wir uns alle mit dem obligatorischen Henkelmann duften Biers und jeder Menge Gequassel über das Thema Rock auf den Mitch Ryder-Gig eingestimmt hatten, versammelten sich irgendwann die vorher locker unterm Volk herumwuselnden Engerlinge auf der Bühne, was bedeutete, dass es jetzt richtig losging mit dem Rockspektakel.
Die ersten Töne erklangen und der Maestro himself, von dem die Kunde umging, dass er sich eine gewaltige Erkältung zugezogen hätte und deshalb stimmlich nicht wie erwartet brillieren könne, schwebte die Treppe vom Backstage-Bereich auf die Bühne herab.
Mitch Ryder war da! Von nun an gab's im Saal nur restlose Freude und Rock pur. Zur Einstimmung gab es eine wohlige Midtempo-Nummer und danach schaukelte Mitch unsere Stimmung peu à peu höher und höher. Es gab einen wunderbaren Song nach dem anderen, wobei der Hauptakteur des Abend gern auf Material seiner Alben "You Deserve My Art" und "Detroit Ain't Dead Yet (The Promise)" zurückgriff. Beiträge wie "The 21st Century", "In My Garden", "Heaven Takes You Back", "The Promise", "One Hair" und "Crazy Beautiful" gingen uns runter wie feinstes Maschinenöl.
Doch Mister Ryder & Engerling überraschten uns nicht allein mit neueren Beiträgen, sondern tauchten auch tief in die Geschichte der Rockmusik ein; da gab es fetzigen Rock 'n' Roll aus den Teenager-Zeiten des Meisters bis hin zu seinen eigenen Frühwerken.
Wir waren einfach begeistert ob dessen, was uns auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, geboten wurde. Es machte einfach riesigen Spaß, sich vom Dargebotenen mitreißen zu lassen. Was machte es da schon, dass Mitch Ryder uns das Gerücht von seiner Erkältung zur Gewissheit werden ließ und sich auch dafür zu entschuldigen versuchte, dass am Beginn seiner Tournee musikalisch einiges nicht ganz so lief, wie er es sich wünschte.
... doch das Publikum scherte sich nicht um die Bedenken und das gesundheitliche Handicap dieses bescheidenen Rock & Rollers auf der Bühne, sondern feuerte ihn um so mehr an.
Damit platzte der Knoten gewaltig und Mitch bedankte sich für unser Kommen und ließ uns wissen, dass wir in diesem wunderbaren kleinen Klub wahre Rockfans seien und nicht bloß herkämen, um ein gewisses Event zu erleben.
Das war einfach Rock, wie wir ihn wollen, und Mitch Ryder tat es sichtlich gut, dass die Anwesenden auf kleine musikalische oder gesundheitliche Unausgewogenheiten einen Pfifferling gaben und so richtig abrockten.
Es war also ein gegenseitiges dankbares Geben und Nehmen, was dazu führte, dass wir am Ende eines 2 ½ - stündigen Konzerts nach vehementem Schreien eine superbe Coverversion des The Doors-Klassikers "Soul Kitchen" in die Lauscher gepresst bekamen.
Nachdem ich mir auf meinem Barhocker sitzstehend gewaltig einen abgezappelt habe, war's das also für jenen 18. Februar anno 2010 vorerst.
Vorerst heißt nichts anderes, als dass ich noch in meinem Stammklub verweilte, etwas Hopfenblütentee verkonsumierte und auf den Moment lauerte, von Mitch Ryder Autogramme zu erhalten.
Während dieser "Wartezeit" lief ich abermals zur Hochform auf, denn nun traf ich auf all die Leute, die ich anfangs des Abend gar nicht so richtig auf Lunge nehmen konnte und es erhob sich nun abermals so manches Palaver über Rockmusik im Allgemeinen und den aktuellen Abend im Besonderen.
... es war einfach schön an diesem Mitch Ryder-Abend, ich fühlte mich so richtig wohl in meinem Zweiten Zuhause ...
Aber was is'n nun mit Signaturen von Mitch? Keine Angst, seine Frau kreuzte umgehend auf, um Autogrammwünsche entgegen zu nehmen. Mit akribischer Genauigkeit einschließlich Namen nahm sie jeden Autogrammwunsch entgegen, um ihn ihrem gesundheitlich leicht angeschlagenen Göttergatten vorzulegen.
Als ich die Höflichkeit in Person auch mal irgendwie an der Reihe war, fragte ich, ob sie sich noch daran erinnere, ein Foto von Mitch und mir gemacht zu haben.
Aber klar doch, an diesen Musikverrückten mit der Pin-Jacke wusste sie sich sofort zu erinnern; und dass ich ihr am jetzigen Abend aufgrund meiner rockmusikalischen Zappeligkeit sofort ins Auge fiel, teilte mir Mrs. Ryder auch gleich mit. So war es nur folgerichtig, dass sie meine mitgebrachten Memorabilien mit dem Hinweis, dass es einige Minuten dauern wird, zu ihrem Mitch zum Autogrammisieren vorlegen werde.
Vorsorglich gab ich Mitchs Ehefrau gleich eine handvoll Stifte mit, damit auch bloß nix schief geht. Aber keine Bange, alles lief in bestens geordneten Bahnen ich war mehr als zufrieden ...
... aber wo war Mitch Ryder? Ich wollte ihm doch ungeachtet seiner Erkältung die Hand reichen. Da ich mit den lokalen Gegebenheiten bestens bekannt bin, wusste ich, dass er gar nicht anders konnte, als an mir "vorbei zu schleichen", wenn er das Objekt meiner Begierde verlassen will.
Genau so geschah es dann auch; als sich der gute alte Mitch anschickte, die Lokalität zu verlassen, ließ ich meine Gesprächspartner stehen und flitzte zu ihm, drückte ihm ungeachtet seiner eigenen Maßgabe, ihn nicht anzufassen, weil man sich einen Infekt zuziehen könnte, herzlich die Hand, legte zum Abschied sanft meinen Arm auf seine Schulter und verabschiedete ihn. Mitch grinste mich an, ich grinste an ...

... ein wunderbares Erlebnis ging zu Ende.

Burkhardt


 
 

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