Objekt 5, Halle/Saale, 23.02.2011

I) Review und Fotos mit freundlicher Genehmigung von „Sonny“ 
(http://www.puhdys-forum.de)
DANKE!

Auf der Suche nach Mitch Ryder&Engerling-Terminen las ich, dass sie im Objekt 5 in Halle (Saale) sein werden. Ruft man bei Google "Objekt 5" auf, werden eine Menge Informationen angeboten. Das Objekt ist sehr bestaunenswert. Ich weiß nicht, ob es ein überdachter ehemaliger Hofbereich ist unter Einbeziehung der angrenzenden Räumlichkeiten. Es erinnerte mich an die "Marktwirtschaft" in Halle (Saale), in der ich ein Konzert mit Hans die Geige erlebt hatte, nur, dass hier noch obere Bereiche über Treppen erreichbar dazu gehörten. Es ist an der Burg Giebichenstein gelegen, völlig unscheinbar, wahrscheinlich ein Teil der Burg. Das große Plakat mit Mitch Ryder war ein guter Wegweiser.

In diesem Forum mutmaßten wir schon einmal, dass im "Goldenen Löwen" zu Landsberg die wahrscheinlich kleinste Bühne ist, auf der eine Rockband Platz hat. Die im Objekt 5 ist kaum halb so groß. Aber alle 6 Musiker richteten sich ein: Schlagzeug in der Mitte hinten hinter einer durchsichtigen Wand, Keyboard ganz links, alles andere auf engstem Raum und doch hatte alles Platz. Licht- und Tontechniker hatten gegenüber der Bühne auf einem balkonartigen Vorbau an der oberen Etage über den Zuschauern guten Kontakt zu den Künstlern. Die Bühnennebenräume waren zweietagig auch nur winzig und für den oberen Raum, der wie eine Galerie zur Bühne gearbeitet war, gab es eine Treppe ganz hinten hinter dem Schlagzeug. 

Im Zuschauerraum waren einige Tische und Barhocker, aber eigentlich standen (fast) alle. Für 170 Personen ist der Platz bemessen. Umfallen konnte keiner. Nachzufüllende Gläser wurden durchgereicht, weil keiner durch kam. Auch nicht zu den Örtchen, obwohl die gemessen an den möglichen Besucherzahlen reichlich zur Verfügung standen. Die Raucher mussten von Anfang an bis kurz nach Mitternacht aushalten und sie schafften das. Es gab keine Pause, und durch kam auch keiner, um vor die Tür zu gehen. Ich glaube, das wollte auch gar keiner.
Ich nahm gleich nach Einlass schon 1 Stunde vor Beginn einen Platz vor der Bühne ein, setzte mich zu anderen auf die Stufen, die zur Bühne führten und bestaunte die Gegebenheiten. Und ich war verblüfft, als Gisbert Piatkowski die Bühne betrat. Da gab es also noch einen Grund mehr zum freuen.

Pünktlich 21 Uhr ging es los. Wie immer konnte ich nicht mitsingen. Andere taten das ausgiebig, was die Künstler zu immer mehr Spielfreude animierte. Ich kenne das Repertoire von Mitch Ryder nicht, aber zwei Titel wurden von den anderen vermisst. Der Keyboarder Wolfram "Boddy" Bodag spielte ein Solo, zu dem der Gitarrist Heiner Witte dazukam. Das war schon genial. Der Bassist Manne Pokrandt hat mich beeindruckt. Seine Erscheinung lässt mich an Marcus Schloussen denken. Bei den Zugaben spielte er ein ausgiebiges Solo. Die Gitarrenparts mit Heiner Witte und Gisbert "Pitti" Piatkowski waren sowieso spitze. Der Schlagzeuger Hannes Schulze setzte das Schlagzeug gekonnt ein und bediente auch andere Geräuscheinstrumente. Was Mitch Ryder "my instrument" (ein ovaler doppelreihiger Schellenkranz) nannte, beherrscht er vortrefflich, wie er überhaupt jeden Ton, jedes einzelne Zusammenspiel verinnerlicht und mit Fingerzeichen das gesamte Stück lenkt und leitet. 
Die Band und er scheinen miteinander verschmolzen zu sein. Es passt alles. Mitch Ryder sprach viele Ansagen zur Erheiterung der meisten Anwesenden. Er bezog sich oft auf den Rockpalast-Auftritt. Ich verstand leider nichts, weil ich kein Englisch kann. 

Fotografieren sollten wir nur ohne Blitzlicht. Nachher versuchten es doch einige mit. Da ich aber ganz vorne stand, wollte ich die Künstler nicht erschrecken und hoffte, dass die Bühnenbeleuchtung ausreichen wird. Sie war aber doch eher schummerig, deshalb ist die Ausbeute gering. 

Einen Abend mit Mitch Ryder & Engerling kann ich empfehlen, wenn mal jemand was anderes erleben will. Und das Objekt 5 auch.


 

 
II) Review und Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Burkhardt 
DANKE!

"Ausverkauft" hieß es laut Web-Präsenz meines Lieblingsladens seit geraumer Zeit. Wenn Mitch Ryder & Engerling in der Location auftreten, ist das aber normal, passen doch nur 200 Leute rein.
Für beste Klubatmosphäre war also gesorgt, es fehlte nur noch meine Wenigkeit. Also warf ich mich wieder mal in mein Rock & Roll- Jäckchen, hopste in die Stiefel und machte mich auf den Weg.
Als ich vor dem "Objekt 5" eintrudelte, war ich der Erste vor Ort, doch das änderte sich umgehend, denn kurz darauf bildete sich eine Schlange von Konzertbesuchern, deren Alter merklich über 50 Lenzen lag.
Schon mittels Gesprächen über die gute alte Rockmusik und in Erwartung des Abends ziemlich aufgekratzt wurden wir Wartenden kurz vor 20.00 Uhr ins Heiligtum gelassen.
Nach dem üblichen Begrüßungsgeplänkel mit dem Personal steckte ich meinen Claim am rechten Bühnenrand ab, während hinter der Theke an einem obligatorischen Bierchen für mich gewerkelt wurde.
Bald tummelten sich eine Menge wohlbekannter Leutchen um mich herum und auch die Engerlinge sickerten nach und nach über unser Fanknäuel auf die Bühne, um letzte Vorbereitungen für den Auftritt zu treffen.
Kurz nach 21.00 Uhr war es dann soweit - das Licht wurde gedimmt und die Musiker von Engerling stimmten uns unter Beifall instrumental auf Mitch Ryder ein, der kurz darauf die Treppe zu den Brettern, die die Welt bedeuten, herunterkam, um frenetisch begrüßt zu werden.
Mit kräftiger Stimme eröffnete Mitch den Abend und hatte das Publikum umgehend auf seiner Seite.
Nach einem tollen Auftakt wies ein bestens aufgelegter Herr Ryder auf sein etwas "befremdliches" Äußeres hin. Anstelle des üblichen Hutes bedeckte heute ein Basecap mit Peace-Logo sein Haupt, denn das Hütchen war nach dem vorangegangenen Auftritt irgendwie verschütt gegangen. Doch das stand dem musikalischen Ablauf nicht im Wege und so stürzten sich Mitch Ryder & Engerling in den Klassiker "Ain't Nobody White (Can Sing The Blues)" - das war was für's liebe Publikum ...
... und so reihte sich ein Song an den anderen, bei denen der Maestro seine Stimme von kraftvoll losrockend bis zutiefst einfühlsam sanft auslotete und für pure Gänsehaut sorgte.
Ein kraftvoller Knaller im Repertoire war Bob Dylans "All Along The Watchtower, welches der Hauptdarsteller und die bestens agierenden Engerlinge - Gastgitarrist Gisbert "Pitti" Piatkowski sei hier besonders erwähnt - in Hendrix-Manier in die Menge donnerten. Ich war jedenfalls ganz hin und her gerissen!
Immer wieder ging Mitch Ryder auf die Ursprünge der dargebotenen Beiträge ein und erzählte uns zum Beispiel, wie es Bob Dylan glatt die Sprache verschlagen hatte, als Jimi Hendrix einst in dessen Gegenwart seinen gerade erschienen "Watchtower" zu dem machte, was er heute ist.
... und weil man nun schon mal auf den Gitarren-Hexenmeister zu sprechen kam, gab's "Wind Cries Mary" gleich hinterher. Auch hier muss man der Band Engerling Respekt zollen, die weit mehr ist als lediglich eine x-beliebige Begleitband.
Wacker ackerten sich die Akteure auf der Bühne von einem Beitrag des Ryderschen Songfundus' zum nächsten und heizten den Anwesenden mit bestem Rock ein, wobei im hinteren Drittel des Spektakels noch mal ganz tief in die Annalen des Genres eingetaucht wurde. Einer dieser Uralt-Songs ließ es fetzig shaken und twisten - "Shake A Tail Feather" eben!
Im Publikum wurde darauf spekuliert, ob Mitch Ryder auch einen Rolling Stones-Song schmettern würde und so rief jemand nach "Gimme Shelter". Onkel Ryder pflichtete ihm bei, dass dies ein tolles Stück Musik sei, er jedoch keine Jagger/Richards-Nummer singen und sich auf anderes konzentrieren werde.
Das tat der allgemeinen Ausgelassenheit keinen Abbruch, wir wurden weiter mit dem facettenreichen Sangesorgan von olle William Sherille Levise beglückt bis dieser sich das Ende des Abends ankündigend unter ausgiebigen Instrumentalparts von Engerling treppauf hinter die Bühne zurückzog.
Doch nix da, natürlich wurde der Meister noch einmal auf das Podium zurückapplaudiert; es wurde mit den Füßen gestampft und geplärrt, bis der gute Mann wieder die Stiegen herabkam und uns zum Ausklang mit einer duften Version von "Soul Kitchen" abermals tüchtig einheizte.
Dann - nach zweieinhalb Stunden - ging ein phantastisches Rockereignis schließlich zu Ende und alle in der Lokalität waren überaus zufrieden.
Nach dem Gig gab es noch reichlich Möglichkeiten, sich dem Merchandising zuzuwenden und Autogramme zu bekommen. Zwar umschiffte ich diesmal den Verkaufsstand, doch eine Signatur auf der Eintrittskarte musste sein. So bekam ich zwei Unterschriften auf mein Ticket - zuerst auf der Rückseite und dann noch mal auf der Vorderseite, weil's da mehr für mich hermacht.
Zum Ausklang des Abends plauderten meine Kumpels und ich bei etwas Hopfenblütentee noch über das Erlebte und den Rock allgemein.
Irgendwann gab es dann ein letztes Goodbye für Mister Ryder, der gut gelaunt den kleinen Saal durchquerte und entschwand.
Schließlich war es auch für mich Zeit, meine Zeche zu zahlen und mir ein Taxi rufen zu lassen, um den Weg nach Hause anzutreten.

... es war wieder mal ganz irre toll!

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