Objekt 5, Halle/Saale,

Review und Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Burkhardt
DANKE!


 

"Du kennst wohl auch keine Schmerzgrenze!" rief mir eine warm eingepackte Angestellte meines "Zweiten Zuhauses" zu, als sie sich anschickte, ihren Abenddienst anzutreten und mich ziemlich leicht angezogen und überzeitig vor der Tür zum Konzertbereich im Nieselregen stehend erblickte.
Na ja, schließlich wollte ich ganz vorn an meinem Lieblingstisch dabei sein, wenn Mitch Ryder & Engerling der Rockgemeinde mittlerweile zum fünften Mal im "Objekt 5" einheizten.
Bald kreuzten dann die nächsten Musikfans auf, unter denen ich viele persönlich kannte. Nun würde es nicht mehr lange dauern bis sich die Pforten zum Raum unseres Begehrs öffnen würden.
So wurden wir gegen 20.00 Uhr eingelassen und strömten in den kleinen Veranstaltungssaal.
Natürlich okkupierte ich umgehend eben genannten Tisch und sogleich hatte ich eine Blase wohlvertrauter Freunde um mich herum und es wurden mehr und mehr und mehr.
Klar, es gab auch das obligatorische Einstimmungsbier und alle quatschten aufgeregt durcheinander, während sich die Mitglieder von Engerling als auch andere Personen aus dem Tross von Mitch Ryder nach ihren Auftrittsvorbereitungen an uns vorbeiquetschen mussten, um durch eine Personaltür zum Essenfassen zu gelangen.
Während sich die ausverkaufte Lokalität flugs füllte und ich kontinuierlich Hände schütteln musste, weil ständig mir wohlvertraute Leute aufkreuzten, verging die Zeit bis zum Auftritt nicht zu langsam.
Als sich dann die eben erwähnte Tür abermals öffnete und die vom Abendbrot gestärkten Engerlinge samt weiterer Entourage sich abermals zwischen uns durchkämpfen mussten, um in den Backstage-Bereich zu gelangen und ich währenddessen auch noch von Mitch Ryders holder Weggefährtin ganz erfreut begrüßt wurde, bevor ich sie richtig erkannte, freute ich mich nun nur noch auf eins - dass es endlich losging!
 
und es ging los
 
Im Halbdunkel positionierten sich die Maikäferlarven auf der Bühne und während sie ein kurzes  musikalisches Intro gaben, stieg auch schon der Star des Abends unter munterem Beifall die Treppe zur Bühne herab, riss dort angekommen bestens gelaunt und breit grinsend zum Gruß einen Arm in die Höhe und hatte das johlende Publikum schon im Griff, bevor er auch nur einen einzigen Ton von sich gab.

        

Während der Begrüßungsapplaus abebbte, legte Mitch Ryder mit "Do You Feel Alright" los und ließ erkennen, dass er stimmlich bestens drauf war. Entsprechend gab es nach dem Opener schon sehr kräftigen Zuspruch seitens der Konzertbesucher.
Der folgende Block von Songs offerierte den außergewöhnlichen Umfang vom Gesangsorgan des Meisters; von rau losröhrend bis einfühlsam in höchste Sphären aufsteigend wurde uns Tonkunst par excellence geboten.
Die erste Reihe von Musikstücken, die unter anderen das rasante "Rock 'n' Roll" beinhaltete, mündete im mittlerweile zum Klassiker gewordenen "Ain't Nobody White".
Abwechslungsreich ging es im Programm weiter - sanftere Klänge durchmischten sich mit Beiträgen mittleren Tempos sowie starken Rockern.
Im Laufe des Konzerts bot Mitch mit "Everybody Loses", "One Hit" und "The Promise" drei Songs aus seinem 2009er Album "Detroit Ain't Dead Yet (The Promise)". Eine - wenn auch kritische - Verneigung vor der Metropole am Lake Erie?
Auch wenn das Gros des Publikums bezüglich des Englischen/Amerikanischen nicht besonders sattelfest war, wussten doch alle um die vielen engagierten Texte von Ryders musikalischen Vorträgen. Außerdem gab der Maestro Anmerkungen zu diversen Liedern ab - so auch besonders bewegend zum Stück "Mercy", welches sich intensiv mit dem heiklen Thema Sterbehilfe auseinandersetzt. Hier erntete Mitch Ryder respektvollen Applaus noch bevor er zur ersten Silbe anhob. Entsprechend äquivalent fiel der Beifall nach diesem Beitrag aus; kein Gejohle, kein Geplärre, dafür achtungserweisendes anhaltendes Klatschen.
Spätestens hier zeigte sich, welch genialer Künstler dieser Herr aus USA ist. Mister Ryder verstand es wieder einmal, Geistreiches mit kompromisslos Rockigem in einer Weise zu verbinden, die einzigartig war.
und dann immer wieder diese Ausnahmestimme, die jede Saite der Seele zum Schwingen bringt. Kraftvoll aufbrausend bis anrührend schwebend drückte uns Mitch sein Ausnahmetimbre in die begierigen Ohren, dass es die pure Freude war.
An dieser Stelle sei auch die hervorragende Arbeit der Band Engerling erwähnt, die eine ideale Kombination mit dem Hauptdarsteller des Abends einging und hoffentlich noch oft eingehen wird - zumal sich die Gruppe bei Aktivitäten mit dem Barden stets von dem Top-Gitarristen Gisbert Piatkowski verstärken lässt.
Es hat schon seinen berechtigten Grund, weshalb sich Mitch Ryder mit dieser kompetenten Truppe aus dem Osten Deutschlands umgibt.
Der Auftritt dieser Kooperation von exzellenten Musikern war einfach großartig. So gerieten Songs wie "Long Neck Goose", "Nice 'n' Easy", "Tough Kid" und all die anderen Lieder zu tollsten Aufführungen.
Neben verschiedenen Eigenwerken brachte uns der Mann aus Nordamerika natürlich ebenfalls Coverversionen zu Gehör. Besonders "Heart Of Stone" von den Rolling Stones, zu dem Mitch die Anwesenden aufforderte fleißig mitzusingen, war allerfeinster Ohrenschmaus.
Zum Kontrast zu diesem Stones-Klassiker durften wir etwas später der Lennon/McCartney-Komposition "In My Life" andächtig lauschen, bei welcher sich Mitch allein vom Engerling-Keyboarder Wolfram Bodag begleiten ließ. Immer wieder betonte Mitch Ryder hierbei die Textzeile "I love you more" und deutete mit ausladender Geste auf uns Konzertbesucher.
Leider schwante uns angesichts jener verhaltenen Klänge, dass die Veranstaltung sich allmählich dem Ende zuneigen würde.
und dann zog sich der Mann am Mikrophon samt seines obligatorischen Hütchens tatsächlich treppauf in den Backstage-Bereich zurück.

Obwohl jeder im Sälchen wusste, dass es das noch nicht gewesen sein konnte, grölten wir wie die Zukurzgekommenen nach einer deftigen Zugabe, auf die wir gar nicht lange warten mussten.
Mitch Ryder, Wolfram "Boddy" Bodag, Heiner Witte,  Manne Ponkrandt, Hannes Schulze und Gisbert "Pitti" Piatkowski gaben dem Affen noch mal so richtig Zucker.
Mit "Voodoo Child" von einem gewissen James Marshall "Jimi" Hendrix eröffneten die Akteure auf den Brettern, die die Welt bedeuten, rotzig-frech ihren Zusatzpart. Jetzt konnte sich Pitti nochmals so richtig in Szene werfen und beweisen, was für ein begnadeter Ausnahmegitarrist er ist und entsprechend gab es im Saal euphorische Zustimmung.
Anschließend donnerten uns die Herrschaften auf dem Podium das treibende "Moondog House" aus dem hervorragenden Longplayer namens "You Deserve My Art" - eingespielt in deren trauter Einigkeit - in die Lauscherchen und wir alle waren abermals total aus dem Häuschen.
Nach diesem Tänzchen auf dem Vulkan brüllten wir nach ein wenig mehr, was uns schließlich mit dem Kehraus "War" gewährt wurde.
Es folgte eine letzte Verneigung vor einem überaus dankbaren Publikum und dann war das Musikalische vorbei.
 
the concert was over
 
Alle Gäste des Spektakels waren selig und zufrieden, als jener 16. Februar anno 2012 im Halleschen "Objekt 5" zu Ende ging. Für mich als auch etliche andere Fans war der Abend, der inzwischen zum neuen Tag mutierte, noch nicht gänzlich zur Neige gegangen.
Mit vom begeisterten Plärren heiserer Stimme widmete ich mich nun all den Freaks, die ich kannte bzw. all jenen, die mich ihrerseits (er)kannten; dass die Engerlinge so ganz nebenbei zwischen uns herumwuselten sowie in die Geselligkeit einbezogen wurden, war nach nahezu 180 Konzerterlebnissen in der Lokalität liebgewonnene Normalität für mich.
In diesem mir wohltuenden Ambiente legte ich mir so ganz nebenbei die CD "The Acquitted Idiot" von Mitch Ryder & Engerling zu und ließ mir Autogramme auf Cover plus Ticket geben - Mitch Ryders weibliche Ergänzung, die mich eingangs so munter begrüßte, sorgte schon dafür.
Obwohl es bereits tief nachts war, pflegte ich die eine oder andere Konversation mit so manchem Anwesenden und verschwand der Natur folgend noch einmal in Richtung Stoffwechselendstation.
Kaum von dort mit frisch gewaschenen Pfötchen zurückkehrend lief ich einem gewissen William Levise alias Mitch Ryder samt weiblicher Begleitung in die Arme. Also verabschiedete ich mich höflich per Handschlag und meine besten Wünsche mit auf den Weg gebend von einem wirklich Großen der Rockmusik, der erneut einen grandiosen Auftritt geboten hatte.
Letztlich beglich ich meine Zeche, ließ mir ein Taxi ordern und trudelte tief in der Nacht gegen 01.00 Uhr zu Hause ein.
 
um 03.30 zerrte mich der Wecker wieder aus dem Bettchen ...

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