"Der Westen"
Kultur, 28.02.2010, Dirk Berger

Konzert : Mitch Ryder feiert 65. Geburtstag im "Piano"

Dortmund. Schon nach dem zweiten Song drehte das Publikum im ausverkauften „Piano” den Spieß um: Seine Zuhörer sangen dem Mann auf der Bühne ein Ständchen zum 65. Geburtstag - denn den feierte Mitch Ryder am Freitag auf der Lütgendortmunder Bühne.

Mitch Ryder ist ein Meister, und gleich zu Beginn des Konzertes im Lütgendortmunder "Piano" ehrten er und seine deutsche Stammformation „Engerling” einen anderen: Dylans „Masters Of War” war der Einstieg in ein Konzert, an dem nichts Hastiges, Heischendes war. Manch einem mag mehr Druck von der Band gefehlt haben, manch einem eine knallige Show. „Engerling” ist nicht für ekstatische Auftritte bekannt - und Ryder nicht mehr. Aber, damit man mich jetzt nicht missversteht, es war gut. Gelassen und laut und gut.

Damals gab es Whiskey und Streit

Leute, die die Rock-Szene bereits seit Jahrzehnten beobachten, kennen ihn aus der Zeit, als er mit den „Detroit Wheels” zusammenspielte, vielleicht noch anders. Da spielte Whiskey eine Rolle, da gab es Streit. Da gab es Auftritte, die endeten nach vielleicht 40 Minuten und man dachte: „Ooch, für den ersten Set ein bisschen kurz.” Nur, dass Mitch Ryder anschließend gar nicht mehr zurückkam. Wir lieben diese Geschichten im Nachhinein: Sie sind halt Rock'n Roll. „Die Leute sagen, die Kids sind verrückt”, meint er, „vielleicht hab ich ja die Musik dazu gemacht.”

„21st Century”, „Ain't Nobody White”, er lässt die alten Kracher nicht aus. Klassiker, von einer Stimme getragen, die unverwechselbar ist - schneidend schön. Eine wunderbare Fassung von „Freezing In Hell” war der Höhepunkt an Intensität.
Ryder feiert zwei Geburtstage im "Piano"

Ryder und sein Dortmunder Publikum wissen, was sie voneinander haben. Dass einer wie er seinen Geburtstag im „Piano” feiert und schon jetzt den 25. Februar 2011 gebucht hat, um mit einem Konzert in seinen 66. hineinzufeiern, kann man als Lob an den Veranstalter begreifen. Dass hinten im Saal getanzt wurde als Lob an „Engerling” und Ryder.

Barbara Brinkmann und Ursula Poth rockten mit. „Ich hab keine Rückenschmerzen mehr, und das Knie tut auch nicht mehr weh”, brüllt Poth. Sie guckt so, als wolle sie die Eintrittskarten bei der Krankenkasse einreichen.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kultur/Mitch-Ryder-feiert-65-Geburtstag-im-Piano-id2657230.html

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