Märkische Allgemeine, 10.07.2009

Der Rock- und Bluesmusiker Mitch Ryder 
spielt auf dem Stadtwerkefest

Seit mehr als fünfzig Jahren macht der Amerikaner Musik. Tim Tolsdorff sprach mit Ryder über Alben, Bücher und seinen Eindruck von Potsdam.

MAZ: Wie oft sind sie schon in Potsdam aufgetreten?
Mitch Ryder: Ich habe hier mal in einem kleinen Laden gespielt. Das ist aber lang her, ich bin damals nicht durch die Stadt gegangen, die sehr schön sein soll. Für meine Generation war Potsdam die Stadt, in der die große Teilung Europas geschah. Ich will am Wochenende meine bestmögliche Show abliefern.

Wie erklären Sie sich ihren Erfolg in Deutschland?
Ryder: Der stellte sich nach meinem Auftritt im WDR-Rockpalast 1979 ein. Die Deutschen wussten mein Konzert damals am meisten zu schätzten, ich möchte sie für die Unterstützung belohnen. Mittlerweile habe ich viele Freunde hier. Ich müsste gar nicht im Hotel übernachten.

Sie haben gerade ein neues Album produziert. Werden sie einige der neuen Songs schon in Potsdam spielen?
Ryder: Ich stelle gerade meine Show zusammen, werde drei Songs vom neuen Album spielen. Die Plattenfirma will die CD „The Promise“ nennen, das ist mir aber zu geleckt.

Sie haben auch eine Autobiographie geschrieben. Warum?
Ryder: Ich wollte die Geschichte meines Lebens schreiben. Ich hatte schon zwei völlig verschiedene Bücher geschrieben, aus diesen beiden dann das dritte zusammengestellt.

Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Schreiben eines Lieds und dem Verfassen eines Buches?
Ryder: Ich habe nicht auf die Dienste eines Ghostwriters vertraut, wie es heutzutage anscheinend bei jeder Autobiografie üblich ich ist. Der Prozess des Schreibens war wundervoll, um meine eigene Sprache zu verstehen. Ich halte das Schreiben eines Liedes für wesentlich schwieriger, man muss minimieren, konzentrieren und trotzdem eine emotionale, komplette Geschichte erzählen.

Vor zwei Wochen ist Michael Jackson gestorben, der wie sie musikalische Wurzeln in der „Motown“-Szene von Detroit hatte. Wie bewerten sie Jacksons musikalisches Vermächtnis?
Ryder: Es gibt keinen Zweifel, dass er einer der große Entertainer unserer Zeit war, ein begnadeter Tänzer mit einer wunderbaren Stimme. Aber Jackson war kein totaler Künstler, denn er hat sein Material nicht ausschließlich selbst geschrieben. Es waren die Texte, mit denen er seine Probleme hatte. Dabei ist es am aufschlussreichsten, wenn ein Musiker alles selber schreibt. So bekommen die Fans ein komplettes Bild des Künstlers .

Mitch Ryder und die Engerling-Bluesband spielen am Sonnabend ab 20 Uhr beim Stadtwerkefest im Lustgarten.

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