Scheuer, Idstein, 11.03.2011



 
 

zum Review von Jürgen

zum Review von Ronnie


 

Part 1
Review und Fotos mit Dank an Jürgen



 
  • Back At Work 
  • Long Hard Road 
  • Ain`t Nobody White 
  • All The Fools It Sees 
  • It Wasn`t Me 
  • Red Scar Eyes 
  • The Terrorist 
  • Moondog House 
  • The Thrill Of It All 
  • War 
  • Dear Lord, Won`t You Help This Child 
  • Freezin`In Hell 
  • All Along The Watchtower
  • Hot House 
  • Tough Kid 
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  • The Wind Cries Mary
  • Liberty 
  • Little Latin Lupe Lu 
  • Jenny Take A Ride
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  • Soulkitchen 

Es ist für mich, als jahrelanger Fan und begeisterter Besucher von Mitch’s Konzerten, immer wieder interessant, bei seiner jährlichen Deutschland – Tour einen Ort zu besuchen, wo ich ihn noch nicht live erlebt habe. Dieses Mal fiel meine Wahl auf Idstein im Taunus. Nachdem wieder mal grandiosem Konzert in der Bonner Harmonie, konnte ich mich nicht damit abfinden, dass seine Tour für mich schon wieder beendet sein sollte.
Die Scheuer, in der das Konzert stattfand, ist eine angenehme und interessante Location. In der angrenzenden Kneipe kann man vor dem Konzert sehr gut preiswert essen und trinken. Man wird dort als Gast sehr freundlich umsorgt.
Pünktlich um 21.00 Uhr betraten die Engerlinge die kleine Bühne, die gerade noch ausreichend Platz für alle Musiker bietet. Wie immer kam Mitch etwas später, begrüßte sein Publikum und versprach eine sehr lange Show an diesem Freitagabend. Mit "Back at work" und  „Long hard road” wurde direkt vehement Fahrt aufgenommen. Das Publikum zeigte sofort Begeisterung. Mitch fühlte sich sichtlich wohl. Er erzählte Anekdoten aus seiner jahrzehntelangen Karriere und kommentierte seine Songs.

Mit „ Ain’t nobody white“ kam der nächste Höhepunkt. Mitch hat es bereits geschafft, die Scheuer ist auf seiner Seite. Es ist an der Zeit, dass Tempo zu drosseln. Mitch zelebriert mit seiner Stimme „All the fools it sees“. Genial, wie seine Stimme diesen Song durchlebt.
Die Zeit vergeht wie im Flug, es geht weiter durch die Line Records - und Buschfunkjahre. Dann einer meiner absoluten Lieblingssongs „The thrill of it all“. Ich denke nur, diese Engerlinge sind ein Glücksfall für Mitch. Sie bilden den perfekten abwechslungsreichen Musikteppich auf dem Mitch sich schon seit Jahren wohl fühlt.  „War“ liefert mit seinem veränderten Mittelteil dann auch direkt den Beweis dazu ab. Es ist einfach Klasse, wie dieser Song nach vielen Jahren immer noch auf der Bühne an Dynamik gewinnt.

Geht denn überhaupt noch mehr an diesem Abend? Wer Mitch und Engerling live kennt, der weiß, es geht noch viel mehr. „Freezin in hell“ bringt dann auch sofort die Antwort. Mitch geht nach diesem Highlight zurück in die Vergangenheit. Er erzählt über seine Begegnungen mit Jimi Hendrix in New York. Entspannt und locker wirkt er, wohl wissend, dass er den nächsten Kracher vorbereitet. „All along the watchtower“, total entstaubt und voller Energie. Seine Stimme spielt mit dieser alten Hendrix Nummer. Die Scheuer tobt und der Applaus brandet unter der niedrigen Decke auf.
Was konnte jetzt noch an Steigerung auf der kleinen Bühne passieren? „Hot house“ und vor allen Dingen das einmalige „Tough kid“ fegen durch die Scheuer. Mitch verabschiedet sich dankbar und lässt sich nicht lange vom Publikum bitten. „The wind cries Mary“ kommt ihm gerade recht, um zu zeigen, wie er gemeinsam mit Engerling dieser Nummer neues Leben einhaucht. Ihr wollt mehr? Von mir aus. So steht Mitch auf der Bühne, ohne es auszusprechen. Seine Gesten brauchen sehr häufig keine Worte. Mitch erzählt  von Otis Redding und von Booker T. & the MG’s und natürlich hat er mit „Liberty“ das passende Highlight im Gepäck.

Anschließend  führte Mitch sein Publikum in die sechziger Jahre. Er blickt zurück auf seine Karriere mit den Detroit Wheels. „Ich hatte zu dieser Zeit alles, Frauen, Autos und konnte überall umsonst essen und trinken. Wir waren jung und unerfahren. Damals hat man einfach vergessen, uns unser Geld zu geben.“ Mitch lächelte dabei und streichelte zärtlich das Mikrofon. Nach seinen 60er Hits „Little latin lupe lu“ und „Jenny take a ride“ verlässt er unter riesigem Applaus die Bühne. 
Wie ich es schon ewig kenne, endet der Abend mit der allerletzten Zugabe „Soul kitchen“ von den Doors. Keiner kann sich musikalisch gefühlvoller von seinen Fans verabschieden als Mitch. „Clock says it’s time to go now…”.

Leider war das für mich persönlich dann auch wieder das Tourende für dieses Jahr. Dieser Abend war, dank Mitch und Engerling, ein wunderbares Live – Erlebnis voller Höhepunkte. Es bleiben keine Zweifel, Mitch liebt seine Musik. Und wir warten dann wieder gespannt auf Mitch und seine Band im kommenden Jahr.



 
 
 
 
 

Part 2
Review, Fotos und Abbildungen mit Dank an Ronnie

Als ich die 2011er Tourdaten für Mitch Ryder & Engerling das erste Mal zu Gesicht bekam, stach mir eine Location sofort ins Auge: die „Scheuer“ in Idstein-Wörsdorf. „Spitze“, dachte ich mir, „kurze Anreise, gute Gaststätte nebenan zum „warm up“ und eine gute Club-Location“!
Am Konzertabend trafen wir uns mit guten Freunden bereits um 18:00 Uhr in der gemütlichen Gastronomie nebenan, speisten lecker und löschten den doch recht aufdringlichen Durst mit diversen Hopfenkaltschalen. Wir hatten eine sehr kurzweilige Zeit, in der wir natürlich auch in Erinnerungen an schöne Jugendzeiten schwelgten und durchgemachte Nächte vor dem Fernseher wieder aufleben ließen –  „Rockpaläste“ in uns aufsaugend – und damals, anno 1979, zelebrierte eben jener Mitch Ryder in der Essener Gruga Halle seine unvergessene Rock-Blues-Soul-Scream-Power-Show. Die Musikkenner unter den Lesern wissen: Mitch Ryder ist ein Künstler, der sich sehr wohl seiner Wurzeln bewusst ist, der aber nie aufhört neugierig zu sein, der an seinen Fähigkeiten arbeitet, sich weiterentwicklet und Neues zu wagt. Wir waren sehr gespannt, was der Abend uns Erfreuliches bringen würde.

Die Zeit verging wie im Fluge und so verlegten wir zur Einlasszeit unsere Runde nach nebenan in die „Scheuer“, ein Musikclub, der auf einem ehemaligen Bauernhofgelände untergebracht ist. Dort ging ich erstmal zum Verkaufstisch von Tourmanager Gert Leiser, um nach Neuigkeiten Ausschau zu halten und ich wurde fündig! Es gibt eine neue Doppel-CD von Mitch Ryder: „Live Talkies PLUS ONE EXTRA LIVE CONCERT“. CD 1 ist die bekannte „Live Talkies“ und auf CD 2 befindet sich bisher unveröffentlichtes Material: ein LIVE-Aufnahme aus dem Jahr 1980 in Berlin, mit der damaligen Power-Band! Allererste Sahne, diese Aufnahme ist von hervorragender Soundqualität und Mitch und die Band sprühen vor Energie! Ein tolles Booklet mit wertvollen Zusatzinformationen ist dabei. Eine unbedingte Kaufempfehlung (gibt`s z.B. über Amazon)!!! An Gerts Tisch gab es dann auch ein fröhliches Wiedersehen mit Mitchs reizender Ehefrau Megan, sowie mit Ralph und Jutta, einem wahrhaften Fanpaar, denen wir hier auf spitting-lizard so viele historische Tickets verdanken und die ja auch die formidable Ticketsammlung zusammengestellt haben, die den Eingangsbereich von „Live in Europe“ auf www.spitting-lizard.de  ziert. Weitere Fans wie Kurt und Bill (extra aus den USA angereist) kamen auch hinzu, sie seien hiermit herzlich gegrüßt. 

Und dann ging`s los: Der traditionellen Vorstellung „Good evening ladies and gentlemen, my name is Mitch Ryder and I´m from Detroit“ folgte als Opener ein locker-funkiges Back At Work von der 1981 erschienen, großartigen LP Got Change For A Million?
- Für die jüngeren Leser: „LP“ steht für „Long Player“ oder „Langspielplatte“ - das waren im letzen Jahrtausend die Vorgänger von CD´s: große schwarze runde Scheiben, die man zum Abspielen mit zwei Händen auf Apparate -„Plattenspieler“ genannt- legte und dann während der hoffentlich gleichlaufschwankungsfreien Wiedergabe im Dunkeln so fasziniert auf die rötliche Stroboskoplampe geschaut hat- (Ronnie, Du bist genial! Besser kann man das der Jugend nicht erklären. Ich lach´ mich gerade kaputt! Anm. von Rainer)

Mitch wurde sehr herzlich empfangen. Mit der zweiten Nummer Long Hard Road (ist auch auf der oben erwähnten neuen Doppel-CD) ließ er gleich den nächsten Kracher vom Stapel und es entwickelte sich ein wunderbares Live-Musik-Erlebnis mit großem Spaß für Künstler und Publikum!

Die Setlist war hervorragend abgeschmeckt, sie bot Schnelles und Langsames, Lautes und Leises, Altes und Neues, Trauriges und Lustiges, Rock, R+B, Blues, Funk, Soul, Rock`n Roll, einfach herrlich. Es ist immer wieder beeindruckend, was Mitch mit seiner Stimme anstellen kann, wie er eigentlich Bekanntes variiert und weiterentwickelt. Die langjährige Begleitband Engerling holt mich auch jedes Mal wieder aus den Socken: immer wenn man denkt „Jetzt ist es perfekt“, geht es im folgenden Jahr noch einen Tacken geiler! Eine neue Steigerung: Sehr Gut – Noch Besser – Engerling!

Ich kann aus Platz- und Zeitgründen nicht auf alle Songs einzeln eingehen. Die Setlist gibt einen guten Überblick und der sehr schön geschriebene Bericht von Jürgen gibt weitere Eindrücke. Besonders hervorheben möchte ich beispielsweise das wunderbar energiegeladene und rockig aufgepeppte Hot House (von der LP Smart Ass, erstmalig live gespielt), das in neuem Arrangement und von Mitch mit Power gesungen die Situationsspannung eines Menschen, der sich in die falsche Nachbarschaft gewagt hat, wunderbar transportiert. Und dann natürlich noch All Along The Watchtower und The Wind Cries Mary. WAAAAAHNSINN, diese beiden Nummern haben mich zutiefst beeindruckt: die Originale sind ja bekannt, aber ich finde, was Engerling musikalisch und vor allen Mitch mit seiner hervorragenden Gesangsinterpretation daraus gemacht haben, toppt die Originale deutlich!

Traditionell schloss ein wunderbares Soulkitchen einen äußerst vergnüglichen Musik-Abend. Als kleine Schmankerl habe ich Euch noch eine signierte CD (nämlich die obern erwähnte Doppel Live Talkies), eine signierte Eintrittskarte sowie ein Foto der Setlist mitgebracht (Mitch hat im Zugabenteil kurzfristig All Over Now gegen Jenny Take A Ride getauscht).

Die Scheuer in Idstein ist eine prima Location und hoffentlich gibt es dort nächstes Jahr ein Wiedersehen!

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