Cobra, Solingen, 26.02.2011
(Mitch´s Birthday-Show)


- Foto mit Dank an Bernd -


Ticket


  • Back At Work 
  • Long Hard Road 
  • Ain`t Nobody White 
  • All The Fools It Sees 
  • It Wasn`t Me 
  • Red Scar Eyes 
  • The Terrorist 
  • Moondog House 
  • The Thrill Of It All 
  • War 
  • Dear Lord, Won`t You Help This Child 
  • Freezin`In Hell 
  • All Along The Watchtower
  • Hot House 
  • Tough Kid 
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  • The Wind Cries Mary
  • Liberty 
  • It`s All Over Now 
  • Little Latin Lupe Lu 
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  • Soulkitchen 

Review und Fotos: Rainer Peschen 
21:30 Uhr. Mitch Ryder betrat kurz nach Engerling die Bühne. "Happy Birthday To You" schallte es sofort aus den Kehlen des doch sehr zahlreich erschienenen Publikums. Der Detroiter schien sichtlich gerührt, als er spontan seinen trockenen Humor aufblitzen ließ. "Nach der Show lade ich Euch zu einer Riesenparty in dem Raum meines Drummers ein". Der Leser sollte zum besseren Verständnis wissen, dass er mit dem "Raum" die Plexiglaswand meinte, hinter der Hannes Schulze an den Drums sein Bestes gab. Das Publikum krümmte sich vor lachen. Ein guter Einstand.
Die gute Laune wurde noch besser, vor allem für die Fans, die das musikalische Werk von Mitch Ryder schon seit Anfang der 80er verfolgen. Mit dem selten gespielten Back At Work von der LP Got Chance For A Million (1981) heizten Mitch Ryder und Engerling das Publikum ordentlich an, der anschließende Klassiker Long Hard Road, die Perle der Rockpalastshow von 1979, tat sein übriges. An "Stillstehen" dachte keiner mehr. Zwei Uptempo-Nummern zu Beginn der Show, das heißt schon was. Engerling nebst Gastgitarrist "Pitti" Piatkowski agierten voller Spielfreude und Mitch Ryders Stimme klang einfach nur brilliant. Ich weiß nicht, wo dieser Mensch diese Kraft und Ausdrucksstärke herholt - 66 Jahre jung und kein bischen leise!

Uns wurde wieder einmal eine abwechslungsreiche, gekonnte Auswahl aus dem Veröffentlichungskatalog Mitch Ryders angeboten, auch Überraschungen sollten dabei nicht fehlen: Dear Lord, Won´t You Help This Child vom A Dark Caucasian Blue-Album (2004) überzeugte mich auch in der Live-Version, Freezin´ In Hell jagte uns wieder kalte Schauer über den Rücken und über das starke Hot House vom Smart Ass-Album (1982) habe ich mich besonders gefreut. Bei dem Alltime-Klassiker War von Naked But Not Dead (1980) fiel vor allem das Zusammenspiel von Heiner Witte und "Pitti" auf, einfach nur genial zelebrierte Leadparts. 
Doch auch der Geist eines "Gitarrengottes" schwebte durch das Cobra, der von Jimi Hendrix. Mit zwei absolut brillianten Coverversionen huldigten die Akteure diesem Genie: All Along The Watchtower und später dann The Wind Cries Mary als Einstieg in den ersten Encore-Block. All Along The Watchtower stammt zwar von Bob Dylan (1967), doch Dylan selbst huldigte die Hendrix-Version von 1968 als essentiell und orientierte sich fortan bei seinen Liveshows an dieser Rockversion. Hier sprachen mich vor allem die Gitarrenparts von Gisbert Piatkowski an. Klar, der Mann kennt sich aus, hat er doch bereits mehrere Gitarrenschulen herausgebracht, darunter auch "Guitar Masterclass, Bd. 1, Play In The Style Of Jimi Hendrix". Von The Wind Cries Mary gibt es übrigens auch eine ansprechende Live-Version von Engerling, zu finden u.a. auf deren CD Live (1994).

Die Show überzeugte vor allem durch die geschickt gesetzten Spannungsbögen, was Mitch Ryder bei der Zusammenstellung der Setlist sicher genauestens bedenkt, ein perfekter Wechsel der unterschiedlichsten Stimmungen und Gefühle. Hier wird es bei einer zweieinhalbstündigen (!) Show wirklich keine einzige Minute langweilig.

Im zweiten Teil der Show beeindruckte mich vor allem It´s All Over Now. Mitch Ryder klang hier fast wie auf der Live Talkies-LP aus dem Jahre 1981, auch das musikalische Arrangement ähnelte stark dieser Version.
Little Latin Lupe Lu, ein Wheels-Kracher aus den 60er Jahren, hörte ich in diesem Jahr zum ersten mal Live - Partystimmung im Cobra!

Zum Abschied dann Soul Kitchen, ein Song der mir noch immer, auch nach all den Jahren, zu Herzen geht; der mich einfach durch seine Intensität berührt und aufwühlt. 
Manne Pokrandts feine Bass-Soli vor Soul Kitchen zählen auch schon zu den lieb gewordenen Standards, doch diesmal benutzte er als Effektgerät einen Looper mit dem er das Thema von Curtis Mayfields "People Get Ready" gekonnt überlagerte und modifizierte. Eine sehr kreative Idee, diese Klangmodulationen auch mal beim Bass-Spiel einzubauen, hört man die Loop-Effekte in der Rockmusik doch eher bei "Gitarrenzauberern" ala´ Steve Vai.

Mal wieder verging  auch diese Mitch Ryder-Show wie im Fluge. Meine Frau Elke und ich waren einfach nur begeistert und ich habe im Publikum nur glückliche Gesichter gesehen.

Epilog:
Mitch Ryder bekam während der Show Blumen, diverse Päckchen und von zwei Kindern Weingummis geschenkt. Mitch Ryder: "Das mag ich an Kindern, denn sie glauben wirklich, Süssigkeiten machen alles wieder gut."
Ich für meine Person glaube, wenn es mir mal schlecht geht und ich habe ein Konzerterlebnis von Mitch Ryder & Engerling vor mir, dann ist alles gut.

Danke an Mitch Ryder, Megan, Engerling, Pitti, Gert und Lutz für diesen tollen Abend!

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